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01.06.2017 15:10 Alter: 143 days

focus.de: Einbrecher plaudern in Haft aus: Welche Details Ihr Haus für Diebe attraktiv machen

Die Einbruchszahlen in Deutschland steigen seit Jahren. Die Kriminalpolizei geht davon aus, dass Banden aus Osteuropa entlang der Autobahnen auf Beutezüge gehen. Doch eine aktuelle Studie widerlegt die These.


"Das in den Medien oft gezeichnete Bild von osteuropäischen Tätergruppen, die in festen Bandenstrukturen durch Deutschland ziehen, wird nicht durch die Daten gestützt", berichten Forscher des "kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen" in einer aktuellen Studie. Deutlich häufiger als professionell organisierte Banden gingen Einbrecher als lose Zusammenschlüsse aus Freunden und entfernten Bekannten auf Einbruchstour.

Für die nicht repräsentative Studie befragten die Forscher dreißig Einbrecher, die in Deutschland eine Haftstrafe absitzen. Sie verrieten auch, worauf sie bei möglichen Einbruchszielen achten: Schnell muss es gehen und das Entdeckungsrisiko muss gering sein. Doch Einbrecher achten noch auf ganz andere Details:
-Teure Autos vor der Tür
-Gut gepflegte Gärten
-Leicht zugängliche Balkone
-Gute Einsehbarkeit der Wohnung
-Abwesenheit der Bewohner
-Dünne Türen in Wohnblocks
-Kunststofftüren- und Fenster, die ein Profi innerhalb von drei Sekunden knackt
-Hinweise auf ältere Bewohner. Dazu zählen z.B. Gardinen. Hier erwarten die Einbrecher mehr Bargeld und Schmuck. Junge Menschen brächten ihr Geld häufiger zur Bank.
-Gekippte Fenster

Doch Einbrecher verlassen sich auch auf Tipps aus ihrem Umfeld. Es gebe Bekannte, die "kommen mit der Bitte, bestehle meine Schwiegermutter, bitte mache dies, mache das, sie hat dort und dort Geld. Das sind 100-prozentige Tipps", erzählte einer der Einbrecher in seinem Interview. Für die Tipps zahlen die Einbrecher eine Provision.

Auch Daten, die aus dem sogenannten "Enkeltrick" gewonnen werden, würden gespeichert und könnten vor allem für den Westen Deutschlands im Milieu erworben werden.

Insgesamt verlegen sich die Einbrecher am liebsten auf echten Schmuck und Bargeld. Laptops, Fernseher und andere sperrige Gegenstände würden nur Amateure mitnehmen, heißt es in mehreren Interviews.

Zu unterteilen seien die Männer in drei Kategorien, so die Studienautoren:

1. Der Einbrecher aus der Not heraus

Er kommt als Asylbewerber oder auf der Suche nach Arbeit nach Deutschland. Er wird zum Einbrecher, um seine finanzielle Not zu lindern, wenn er es nicht vorher schafft, Fuß zu fassen. "Häufig suchen die Befragten in Deutschland Anschluss an Personen mit einem ähnlichen kulturellen und sprachlichen Hintergrund und geraten hierüber nicht selten in (klein-)kriminelle Milieus", heißt es in der Studie. "Wohnungseinbrüche werden von den Befragten dieses Typus' als ein niedrigschwelliges Delikt angesehen, das gewaltfrei und aus ihrer Sicht ohne größere Schäden für die Opfer abläuft", so die Studienautoren weiter.

2. Der Einbruch als "einfacher Weg zu schnellem Geld“

Der Einbrecher dieses Typs kommt auch zum Geldverdienen nach Deutschland - allerdings von vornherein mit kriminellen Absichten: "Wohnungseinbrüche in Deutschland und anderen Ländern – teilweise auch im Heimatland – stellen für sie eine vergleichsweise einfache Möglichkeit dar, „schnelles Geld“ zu machen", schreiben die Autoren der Studie. Nicht immer seien die Befragten arm. Auch Einwanderer mit bürgerlichem Lebensentwurf mit Haus und Familie kämen nach Deutschland, um hier mit Einbrüchen schnell Geld zu verdienen. Sie haben in der Regel schon bessere Netzwerke als Einbrecher, die aus Not kriminell werden.

"Ich bin einfach in diese Wohnung und das war ganz normal für mich wie Einkaufen gehen", beschreibt ein Einbrecher aus den Niederlanden seine Arbeit gegenüber den Forschern. "Das bringt Geld in die Tasche und nicht so n bisschn." Manchmal habe er Geldkarten mit Pin gefunden, mit denen er am nächsten Automaten Geld abheben konnte. Anders als in seinem Heimatland würden die Deutschen weniger auf ihre Sachen achten: "Auch mit Wohnungstür oder Roller oder Motorrad, die lassen das einfach da so stehen und das war alles so einfach mitzunehmen und einzubrechen", betont er.

Denn zu Geld machen die Täter ihre Beute, bevorzugt Gold und Schmuck, meist schnell - also hierzulande oft bei Pfandhäusern, die nicht nach dem Ausweis fragen, oder anderen Hehlern.

3. Der "Berufseinbrecher"

"Ihre Wohnungseinbruchsaktivitäten verstehen sie als ihren Beruf bzw. als ihre Profession und sprechen entsprechend vom Einbrechen als „arbeiten“, schreiben die Forscher. Sie sehen Einbrüche als anspruchsvolle "Arbeit". Mehr als andere verlassen sie sich zu Beginn auf ein gutes Netzwerk, aus dem sie alle nötigen Fähigkeiten lernen. Die mögliche Haftstrafe sieht dieser Typ als "Berufsrisko".

Sie suchen gezielt nach Gold und Bargeld: "Fernseher, Laptops und solche Sachen klauen nur Idioten", sagt einer der Befragten. "Nur Gold, Geld ... ist wertvoll." Ihre Beute lassen die Profis noch in der gleichen Nacht einschmelzen, "damit es keiner mehr findet."

Den ganzen Artikel und das Video finden Sie unter folgendem Link: http://www.focus.de/immobilien/wohnen/balkon-kunststofffenster-gardinen-einbrecher-berichten-welche-details-ihr-haus-fuer-diebe-attraktiv-machen_id_7195035.html